
von Heike Schülein
Bei der Sitzung der VG Teuschnitz am Dienstagabend hieß es Abschied nehmen - von Bürgermeisterin Karin Ritter aus Reichenbach und Bürgermeister Peter Klinger aus Tschirn wie auch vom Geschäftsstellenleiter Sven Schuster.
Ganz im Zeichen des Abschieds stand die Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Teuschnitz im Arnika-Café, wozu der Vorsitzende, Bürgermeister Frank Jakob (fraktionslos) aus Teuschnitz - neben allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung und des Bauhofs - auch alle Gremiumsmitglieder der drei Mitgliedsgemeinden begrüßen konnte. Voller Dankbarkeit für die immer vertrauensvolle Zusammenarbeit und getragen vom größten Respekt für deren sehr erfolgreiches Wirken in ihren Gemeinden fand er - gespickt mit mancher zwischenmenschlicher Anekdote - herzliche Worte für seine Amtskollegen Peter Klinger aus Tschirn sowie Karin Ritter aus Reichenbach, die sich nicht mehr für eine Wiederwahl zur Verfügung gestellt hatten. Der VG sehr fehlen wird auch der Geschäftsstellenleiter Sven Schuster, der am 1. Mai das Bürgermeister-Amt in Steinwiesen antreten wird.
„Heute fällt es uns wahrlich nicht leicht, Abschied zu nehmen“, bekundete Frank Jakob, womit er allen Anwesenden im bis auf den letzten Platz gefüllten Arnika-Café sicherlich aus dem Herzen sprach. Der Weg von Karin Ritter (SPD) in der Kommunalpolitik begann bereits 1990, als diese erstmals in den Gemeinderat gewählt wurde. Mit großem Engagement wirkte sie dort bis 2008, davon sechs Jahre als Zweite Bürgermeisterin. 2008 übernahm sie das Amt der Ersten Bürgermeisterin, was sie seitdem mit beeindruckender Tatkraft, Verantwortungsbewusstsein und sehr viel Herzblut ausgefüllt habe. Parallel dazu war sie in zahlreichen Gremien aktiv - so in der Gemeinschaftsversammlung der VG Teuschnitz, im Schulverband Teuschnitz, im Rechnungsprüfungsausschuss der Gemeinde, der Gemeinschaftsversammlung und des Schulverbands sowie im Zweckverband Wasserversorgung Frankenwaldgruppe und in der ARGE Rennsteig.
Unter ihrer Führung seien in Reichenbach zahlreiche bedeutende Projekte umgesetzt worden, die die Gemeinde nachhaltig voranbrachten. Hierzu zählten die Sanierung vieler Ortsstraßen und der Ausbau der digitalen Infrastruktur ebenso wie der Ortsdurchfahrt mit Aufwertung der Randbereiche. Sie brachte sich in die Interkommunale Zusammenarbeit ein, unterstützte die Gründung eines gemeinsamen VG-Bauhofs und führte die Vorbereitenden Untersuchungen mit Festlegung eines Sanierungsgebiets in den Jahren 2016 und 2017 durch. Highlights ihrer Amtsperioden waren die Begleitung und Mitgestaltung der 850-Jahr Feier als auch die Realisierung des generationsübergreifenden Bewegungs- und Erlebnisparks sowie des neuen Gasthauses nebst Pension „Das Fränkische“. Besonders hervorzuheben sei ihr außerordentliches Engagement für den Reichenbacher Kindergarten.
Was sie besonders auszeichne, sei ihre einzigartige, unvergleichliche Art: direkt, ehrlich, ohne Umschweife und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Immer nahe am Menschen, sei sie stets lösungsorientiert, pragmatisch, bodenständig und mit einem klaren Blick dafür, was wirklich zählt. „Du hast bleibende positive Spuren hinterlassen - menschlich wie politisch, weil du einfach bist, wie du bist, oder mit den Worten deines FC Bayern ausgedrückt: Mia san mia!“, resümierte er.
Das kommunalpolitische Engagement von Peter Klinger (CSU) begann 1996 mit der Wahl in den Gemeinderat von Tschirn. Seit 2002 stand er an der Spitze der Gemeinde. Auch er war Mitglied und Funktionsträger in vielen Gremien - so als stellvertretender Gemeinschaftsvorsitzender in der Gemeinschaftsversammlung, im Schulverband Teuschnitz, als Vorsitzender der ARGE Rennsteig und sechs Jahre lang auch im Kronacher Kreistag. Unter seiner Führung erfolgten der Vollausbau der Lehestener Straße in enger Zusammenarbeit mit dem Landkreis Kronach und die Sanierung des Bergwegs, jeweils inklusive Kanal- und Wasserleitungsbau, der Piko-Park in der Teuschnitzer Straße 4, die Mobilfunkerschließung durch den Mast „Auf der Wach“, der zukunftssichere Ausbau der Wasserversorgung, der neue Spielplatz beim Feuerwehrhaus, die Stützmauer am Waldweg sowie erst kürzlich die Platzgestaltungen und Neupflanzungen einer Linde im Oberen Dorf und einer Eiche in der Nurner Straße. Zudem habe er die Gründung des gemeinsamen VG-Bauhofs mitgetragen und konstruktiv begleitet.
Ein besonderer Höhepunkt seiner Amtszeit sei die 750-Jahr-Feier der Gemeinde Tschirn, für die man kürzlich den Auftakt feiern durfte. Auch er engagiert sich bis heute in der ILREK-Region, in der bayerische und thüringische Gemeinden gemeinsam an Zukunftsstrategien und regionaler Entwicklung arbeiten.
Peter Klinger habe sein Amt stets mit einer besonderen Haltung ausgeübt: ruhig, besonnen und mit einer von großer Wertschätzung geprägten Ausdrucksweise: klar, überlegt, getragen von einem tiefen Verantwortungsbewusstsein, friedliebend und sich nie in den Vordergrund drängend. So sei er quasi der „Staatsmann“ unter den Bürgermeistern der VG Teuschnitz gewesen. Unzählige Male habe er mit dem Kleinbus Einkaufsfahrten organisiert und als Fahrer begleitet und damit gerade seinen älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein großes Stück Selbstständigkeit und Lebensqualität ermöglicht - ein Engagement, das besonderen Respekt verdiene. Auch außerhalb seines Amtes sei er tief mit seiner Heimat verwurzelt: als Vorsitzender der Schlepperfreunde Tschirn, als begeisterter Liebhaber historischer Traktoren und als jemand, der in der Pflege seines Privatwalds Ruhe und Ausgleich findet.
Karin Ritter und Peter Klinger gaben den Dank an alle zurück, die ihr Wirken in den vergangenen Jahrzehnten in irgendeiner Form begleitet hatten. In der VG seien sie immer auf offene Ohren und Wohlwollen gestoßen. Der neue Bürgermeister von Tschirn, Klaus Daum (CSU), nutzte die Sitzung, seinem Amtsvorgänger namens des Gemeinderats für seinen unermüdlichen Einsatz für die Belange der Gemeinde und seiner Bürger zu danken, womit er Tschirn nachhaltig vorangebracht habe.
Abschied nehmen - mit großem Dank und den besten Wünschen für die Zukunft - hieß es an dem Tag auch von Sven Schuster, der ab 2019 als Geschäftsstellenleiter in Diensten der VG stand. Nach seinem überragenden Wahlsieg warten auf ihn nun neue spannende Aufgaben und Herausforderungen als Erster Bürgermeister des Markts Steinwiesen, für die er - aufgrund seiner bisherigen Tätigkeiten, Erfahrung und persönlichen Art - bestens gerüstet sei.
Mit ihm gehe, so Frank Jakob, nicht „nur“ ein Geschäftsstellenleiter oder Kollege, sondern auch ein guter Freund, der sich stets mit Herz und Verstand für die Belange der VG-Gemeinden eingesetzt habe. Mit großem Einsatz habe er zahlreiche Projekte initiiert, vorangebracht und diese von der Planung über die Fördermittelakquise, Baubegleitung, Abrechnung und letztlich Einweihung beziehungsweise Inbetriebnahme auch abgeschlossen.
Sven Schuster dankte allen, die seine Ideen mitgetragen hatten. Die Verwaltung sei tipptopp aufgestellt, der Bauhof sowieso ein Aushängeschild. „Es geht nur gemeinsam“, so sein Appell, in diesem Sinne weiterzumachen.
Die drei Verabschiedeten wurden nicht nur mit warmen Worten, sondern auch mit humorvollen Geschenken bedacht. Die Versammlung klang mit einem gemeinsamen Abendessen aus.