Dreiwappenstein

eine über 500 Jahre alte Grenzmarkierung

Über die Geschichte von Dreiwappen


Der Name "Dreiwappen" ist in Tschirn bekannt als eine Waldabteilung an der Grenze zu Thüringen (früher DDR) und auch aus Erzählungen über einen historischen  Dreiwappenstein.

 

Insbesondere wegen der hermetischen Grenzsicherung der früheren DDR (1961 - 1990) ist man an den Ort des Dreiwappen in dieser Zeit selten gekommen. Erst nach der Wiedervereinigung und dem  Abbau der Grenzsicherungsanlagen und nach der Räumung des Minenfeldes (1989 - 1991) war diese Gegend wieder begehbar. Nach der Wiedereröffnung des bekannten "Rennsteig-Wanderweges", ab April 1990, kreuzte  dieser beim "Dreiwappen" von der Tschirner Gemarkung bzw. bayerischen Seite die Grenze nach Thüringen. Seither ist diese Region durch viele Wanderer wieder stärker frequentiert. Auch die Wanderwege des Frankenwaldvereins mit dem "Frankenwaldsteigla HRW 5 Dreiwappen-Weg" und  der "Nortwaldweg - N" führen dahin. Das nationale Naturmonument, "Grünes Band", der frühere DDR-Grenzstreifen, kommt am "Dreiwappen" vorbei.

 

2013 veröffentlichte der Heimatforscher Martin Weber aus Ludwigsstadt  Recherchen über die Grenze zu Thüringen, von der Ziegelhütte bis zur Hohen Tanne bei Tschirn, und über die Grenzsteine entlang des Rennsteiges bis zum Dreiwappenstein an der Hohen Tanne.

 

Im ehemaligen Minenfeld des Grenzstreifen findet man am Grenzpunkt "Dreiwappen" derzeit große Steinbrocken und -splitter von einer Gesteinsart, wie man sie bei uns nicht findet. Diese deuten möglicherweise auf einen monumentalen Gedenkstein hin, der beim Grenzbau gesprengt worden ist. Erzählungen von Waldarbeitern berichteten Anfang der 1950er über eine Sprengung am Dreiwappen durch sowjetische Soldaten. Um was es sich damals bzw. um welchen Stein es sich gehandelt hat, lässt sich in heutiger Zeit nicht mehr feststellen.

 

Aus den Katastern der Vermesser ist kein "Dreiländer-Grenzstein" nachzuweisen. An dem Grenzpunkt wo sich seit über 500 Jahren drei Herrschaftsbereiche treffen, steht jetzt ein einfacher, großer Grenzstein (von 1846) mit den Initialen "KB" für Königreich Bayern, "HSM" Herzogtum Sachsen-Meiningen und "FR" Fürstentum Reuß.

 

Damit die Bedeutung dieser Grenzmarkierung wieder in das Bewusstsein der Angrenzer und auch der vielen Wanderer gerufen wird, hat eine Tschirner Privatinitiative unter Führung von Günter Böhnlein, unterstützt durch die  Ortsgruppe Tschirn des Frankenwaldvereins und in besonderem Maße durch die Kreisheimatpflege (KHP Hans Blinzler), den Grenzstein Nr. 65 restaurieren lassen und eine Informationstafel erstellt.

 

Beides wurde finanziell gefördert vom Landratsamt Kronach und von der Sparkasse Kulmbach-Kronach, dafür beiden Organisationen großer Dank!

 

Text von Günter Böhnlein, Tschirn - Juni 2026

Dreiwappenstein - eine über 500 Jahre alte Grenzmarkierung


Die Waldregion hier im Tschirner Gemeindegebiet nennt sich "Dreiwappenstein". Der Begriff hat seinen Ursprung wahrscheinlich von einer seit Jahrhunderten alten Grenzmarkierung für    drei bedeutende Herrschaftsgebiete. Die historischen drei Grenzsteine existieren nicht mehr. Aber genau an diesem Dreiländer-Grenzpunkt (ca. 100 m nördlich von hier), erinnert ein schmuckloser Grenzstein („Nr. 65“) von 1845 an die heute immer noch existierenden Grenzlinien.

 

Die erste Grenzbeschreibung, die dieses Gebiet streift, wird auf 1071/72 datiert: "...darauf zur zur Quelle, welche Schyrne genannt wird" (gemeint ist die Tschirner Ködel bei der 'Hohen Tanne')". Schon im Mittelalter trafen sich hier die Grenzen der Bistümer Bamberg, Mainz und Zeitz/Naumburg. Nachweislich von 1513 bis heute gibt es an dieser Stelle staatliche, kommunale als auch kirchliche Grenzlinien. Diese, markiert mit Grenzsteinen, Grenzwegen und Grenzgräben, sind seit über 500 Jahre nicht mehr verändert worden und haben so weiterhin ihre Rechtsverbindlichkeit!

 

Bis 1802 grenzte das Hochstift Bamberg, danach bis 1918 Bayern (zunächst noch Kurfürstentum, ab 1806 Königreich) an dieser Stelle an das Herzogtum Sachsen-Coburg-Saalfeld und ab 1826 an Sachsen-Meiningen (nordwestlich von hier) sowie an das Fürstentum Reuß jüngere Linie (östlich). Von 1918 bis 1945, mit Unterbrechung durch das NS-Regime, verlief die Grenze zwischen dem Freistaat Bayern (südwestlich) und dem Land Thüringen (nördlich) innerhalb des Deutschen Reiches; von 1946 (bzw. 1949) bis 1989  zwischen dem Land / Freistaat Bayern in der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik/DDR. 

 

Ab 1990, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, gibt es hier nur noch Grenzen innerhalb der Bundesrepublik. Südwestlich grenzt an: Der Freistaat Bayern / Regierungsbezirk Oberfranken mit der Gemeinde Tschirn im Landkreis Kronach, gegenüber der Freistaat Thüringen mit der ehemaligen Gemeinde Brennersgrün im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt sowie die ehemalige Gemeinde Grumbach im Saale-Orla-Kreis.

 

Hier trafen und treffen sich auch drei katholische Bistümer. Heute sind das auf bayerischer Seite das Erzbistum Bamberg, auf Thüringer Seite gegen Nordwesten das Bistum Erfurt (vorher Mainz) und gegen Osten das Bistum Dresden-Meißen (früher Naumburg-Zeitz). Aus evangelisch-lutherischer Sicht grenzt das Dekanat Kronach-Ludwigsstadt, innerhalb der Evang.-Luth. Landeskirche Bayern an, nördlich die Evangelische Kirche Mitteldeutschland (Sitz Magdeburg).

 

Der legendäre Höhenwanderweg "Rennsteig" und weitere markierte Wanderwege kreuzen hier in einer Höhenlage von 722 ü. NN diese Region. Zur DDR-Zeit traf man auf die hoch gesicherten, 1991 abgebauten Grenzanlagen. Der noch erkennbare breite Grenzstreifen und der vorhandene Fahrweg („Kolonnenweg", "Plattenweg“) der einstigen DDR-Grenztruppen gehören jetzt zum Naturmonument "Grünes Band Deutschland".

Hinweistafel des Frankenwaldvereins am Dreiwappenstein


Der Grenzstein - bei der Freilegung, Restaurierung und Setzung durch das Vermessungsamt Kronach


Mit freundlicher Zusammenstellung und Aufarbeitung von Günter Böhnlein, Tschirn